CERN-Exkursion – 3 Tage in der Schweiz

Unsere Reise nach Genf begann um 6 Uhr als unser Bus von der Bushaltestelle abfuhr. Anfangs war es ruhig, da wir größtenteils schliefen. Bereits nach eineinhalb Stunden standen wir im Stau, wodurch wir nach und nach wach wurden. Später hielten wir an einer Raststätte in Deutschland und auch in der Schweiz, in der wir die Aussicht auf die Berge genießen konnten. Insgesamt dauerte die Fahrt fast sieben Stunden an, was sich durch die wechselnde Temperatur der Klimaanlage teilweise noch länger anfühlte. Trotz allem waren wir gut gelaunt und freuten uns, als wir endlich im Hotel ankamen und unsere Zimmer beziehen durften.

Nach unserer Ankunft in Genf begann unser Programm mit einer Stadtführung. Zunächst besuchten wir den Genfer See mit seiner berühmten Fontäne. Dabei hatten wir Glück, dass diese noch in Betrieb war, denn bei starkem Wind oder niedrigen Temperaturen wird sie abgeschaltet, um Personen in Ufernähe vor Nässe oder Glätte zu schützen. Anschließend führte uns die Tour in die Altstadt, insbesondere in das bekannte Uhrenviertel. Ein großer Teil der Altstadt besteht aus Geschäften internationaler Luxusmarken, vor allem aus der Uhrenindustrie, deren Tradition in Genf bereits seit Generationen besteht. Danach besichtigten wir die St.-Pierre-Kathedrale, wo wir mehr über den Calvinismus erfuhren. Diese protestantische Glaubensrichtung betrachtet die Bibel als einzige Autorität und zeichnet sich durch eine besonders schlichte Gestaltung von Kirchen und Gottesdiensten aus. Den Abschluss der Stadtführung bildete die Reformationsmauer.

Am nächsten Tag stand unser Besuch am CERN an. Zunächst erhielten wir im Besucherzentrum unsere Besucherausweise und wurden anschließend mit dem Bus auf das Gelände gefahren. Dort teilte man uns in zwei Gruppen auf. Die erste Führung beschäftigte sich mit der Datenverarbeitung am CERN. Zu Beginn wurde erklärt, was das CERN ist und welche Experimente dort durchgeführt werden. Es handelt sich um das weltweit größte Forschungszentrum für Teilchenphysik, in dem mithilfe riesiger Teilchenbeschleuniger der Aufbau der Materie und des Universums erforscht wird. Zu den bedeutendsten Errungenschaften zählen unter anderem die Entwicklung des World Wide Web sowie die Entdeckung des Higgs-Bosons.

Ein anderes zentrales Thema der Führung war die enorme Datenmenge, die bei Experimenten entsteht. Während ein Experiment läuft, erfassen die Sensoren pro Sekunde bis zu einem Petabyte an Daten, was 1000 Terabyte entspricht. Um diese Datenmenge handhabbar zu machen, wurde ein mehrstufiges Filtersystem entwickelt, das entscheidet, welche Daten relevant sind und welche gelöscht werden. Dieser Filterprozess wird insgesamt dreimal durchlaufen, bis die verbleibenden Daten auf eine speicherbare Menge reduziert sind. Diese endgültigen Daten werden im Rechenzentrum des CERN gespeichert, aber auch weltweit an Universitäten verteilt. Dort befinden sich jedoch nur Teilmengen der Daten, vollständig liegen sie ausschließlich am CERN vor.

Im zweiten Teil der Führung besuchten wir eine Lagerhalle mit Experimenten zur Antimaterie. Letztere besteht aus Teilchen, die den bekannten Materieteilchen entgegengesetzte Ladungen besitzen, beispielsweise ist das Antiteilchen des Elektrons das positiv geladene Positron. Insgesamt gibt es sieben Experimente, die untersuchen, ob sich Antimaterie anders verhält als Materie. Bisher konnte unter anderem festgestellt werden, dass Antimaterie keine Antigravitation erfährt. Zur Herstellung von Antimaterie werden Protonen auf ein Metallziel geschossen, wodurch unter anderem Antiprotonen entstehen. Diese müssen anschließend stark abgebremst werden. Dies geschieht mithilfe des ELENA-Rings (Extra Low Energy Antiproton Ring), der die Teilchen mithilfe mehrerer Beschleunigungsstufen und Kühlung durch Helium von nahezu Lichtgeschwindigkeit bis zum Stillstand bringt. Die Antimaterie wird anschließend entweder direkt an die Experimente weitergeleitet oder zwischengelagert. Die Lagerung ist jedoch sehr aufwendig, da bei Kontakt von Materie und Antimaterie Energie in Form von Licht freigesetzt wird. Deshalb sind spezielle Sicherheitsvorkehrungen wie ein Vakuum und elektromagnetische Felder notwendig. Ein bis heute ungelöstes Problem der Physik ist zudem die Frage, warum im Universum deutlich mehr Materie als Antimaterie existiert. Die Erforschung dieses Ungleichgewichts ist ein zentrales Ziel des CERN.

Leider war es uns nicht möglich, den echten Teilchenbeschleuniger zu besichtigen, da während unseres Besuchs ein Experiment lief. Stattdessen konnten wir im anschließenden Museumsbesuch ein Modell des Beschleunigers ansehen. Danach aßen wir gemeinsam in der Kantine zu Mittag und hatten anschließend Freizeit, um die Stadt eigenständig zu erkunden.

Am dritten Tag besuchten wir zunächst die UNO. Nach einer Führung über einen Teil des Geländes erklärte uns die Gruppenleiterin die Entstehungsgeschichte der Vereinten Nationen. Diese wurden nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet, um Frieden, internationale Zusammenarbeit und die Einhaltung der Menschenrechte zu fördern. Heute gehören der UNO 193 Mitgliedsstaaten an. Die Schweiz wurde als Standort gewählt, da sie als neutral gilt und keine Monarchie war. Anschließend durften wir einen Sitzungssaal mit Wandbehängen aus Kasachstan besichtigen. Solche Kunstwerke werden der UNO ausschließlich gespendet, denn sie selbst kauft keine Kunst. Auch die Instandhaltung liegt in der Verantwortung des jeweiligen Spenderlandes. Zum Abschluss besuchten wir den größten Sitzungssaal, der so groß ist, dass die Sitzordnung ausgelost wird, damit nicht immer dieselben Länder hinten sitzen.

Nach dem Besuch der UNO ging es weiter in das Museum des Roten Kreuzes und Roten Halbmonds. Das Rote Kreuz wurde von dem Schweizer Henry Dunant gegründet und hat sich zum Ziel gesetzt, humanitäre Hilfe in Kriegs- und Krisengebieten zu leisten. Mitarbeitende des Roten Kreuzes besuchen unter anderem Kriegsgefangene, überprüfen die Lebensbedingungen und ermöglichen den Kontakt zu den Familien durch Briefe. Zudem informieren sie Angehörige über den Verbleib von Vermissten oder über Todesfälle. Viele ehemalige Gefangene stellten während ihrer Gefangenschaft Kunstwerke her. Ein Beispiel dafür ist ein Palast aus Kleiderfäden, der von Frauen aus Namibia gefertigt und dem Roten Kreuz geschenkt wurde.

Den restlichen Nachmittag und Abend hatten wir zur freien Verfügung und erkundeten die Stadt. Abends spielten wir häufig gemeinsam Dart oder Karten, sofern wir nicht krank im Bett lagen. Insgesamt war die Reise sehr abwechslungsreich und bot uns spannende Einblicke in Wissenschaft, Politik und Geschichte.