Europäisches Comeniusprojekt

Schüler des LGL im Palast des Pascha

Von Andreas Klingspohr

Die Aufführung einiger Kernszenen des Nibelungenliedes im historischen Ishak-Pasha Palast, im äußersten Osten der Türkei an der einstigen Seidenstraße und zu Füßen des Berges Ararat gelegen, bildete den Höhepunkt einer zwei Jahre währenden Beschäftigung mit dem für unsere Region so wichtigen Text. Die Gruppe des Lessing-Gymnasiums teilte sich diese ganz besondere Bühne mit Schülerinnen und Schülern aus Italien, Portugal, unserer Partnerstadt Ermont und dem türkischen Dogubayazit, welches in Sichtweite des Palastes liegt. Das Zusammentreffen wurde ermöglicht durch Comenius, eine Einrichtung der EU, die das lebenslange Lernen und den interkulturellen Austausch fördert. Das Theaterstück wurde in englischer Sprache aufgeführt.

Bevor die einzelnen Delegationen die Reise zum Berg Ararat antreten konnten, waren etliche Arbeiten zu bewältigen. Bei einem ersten Treffen in Lampertheim im Herbst 2008 wurde eine mögliche Marschroute entwickelt, aber auch nach mittelalterlichen Rezepten gekocht. Wichtig ist Comenius auch, dass die Gäste Einblicke in die Lernkultur des Gastgebers gewinnen, sodass auch Unterrichtsstunden besucht wurden. Die einzelnen Schulen haben sich dann intensiv mit jeweils einer Legende, die Verbindungen zum Schulort aufweist, beschäftigt. In Lampertheim war dies das Nibelungenlied, welches um 1200 aus älteren Quellen kunstvoll aufgeschrieben wurde, in Dogubayazit die Geschichte von Kerem und Asli, eine unglückliche Liebesgeschichte, vergleichbar etwa Shakespeares Romeo und Juliet. Die Ergebnisse dieser Beschäftigung mit den einzelnen Legenden wurden dann in Turin, Italien, bei einem zweiten Treffen präsentiert. Waren nach Lampertheim nur Lehrkräfte gekommen, trafen sich in Turin erstmals auch Schüler. Zu Beginn des laufenden Schuljahres, im Herbst 2009, sah man sich dann in Ermont. Nun war das schwierige Problem zu lösen, wie aus den einzelnen Legenden ein gemeinsames Theaterstück entstehen konnte. Als Lösung bot sich an, einzelne Bausteine durch eine Rahmenhandlung zu verknüpfen, ein Verfahren, welches von den Geschichten von tausendundeiner Nacht oder dem italienischen Dichter Boccaccio  für sein Decamerone, eine Novellensammlung, verwendet wird.

Am 2.5.2010 ging es dann für 4 Schülerinnen und einen Schüler der Klasse 9a des Lessing-Gymnasium zusammen mit zwei betreuenden Lehrern um 4.30 Uhr los, erste Etappe war der Frankfurter Flughafen, von dort ging es weiter nach Istanbul. Hier hatte die Delegation eineinhalb Tage Zeit, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt zu bewundern – bei angenehmem Frühlingswetter. Am Dienstagvormittag flog die Gruppe nach Kars im Nordosten der Türkei. Dort lag noch Schnee auf den Bergen, und die Straße, die die Delegation nach Dogubayazit brachte, war streckenweise in einem abenteuerlichen Zustand. Ein möglicher Kulturschock wurde aber schon durch ein wohlschmeckendes gemeinsames Abendessen mit den Vertretern der Partnerschulen aufgefangen, und als die Lampertheimer am folgenden Morgen bei einem ersten Besuch der Schule von zahllosen freundlichen, lachenden Kindern herzlich begrüßt wurden, stellte sich sogleich das Gefühl ein, am richtigen Ort zu sein. Nach einem Einblick in die Unterrichtspraxis ging es gemeinsam auf  Erkundungstour. Währenddessen wurde noch immer an den Texten des Theaterstücks gefeilt, die Verknüpfungsstellen wurden geglättet, letzte Requisitenprobleme geklärt. So ging dann die Aufführung vor der wunderbaren Kulisse des Palastes nahezu reibungslos über die Bühne, was am Abschlusstag in einem verwunschenen Garten, der in der lokalen Legende auch eine Rolle spielt, mit einem Grillfest gefeiert wurde. Gastfreundschaft spielt seit alters her an der Seidenstrasse eine große Rolle, und an jenem Tag zeigte sich auch die Sonne freundlich.

Die Erfahrung dieses Projekts, dieser Begegnungen war gewiss ein Höhepunkt im Leben der Teilnehmer, wobei für die meisten wohl noch bedeutender als die Freude über die gemeisterten Schwierigkeiten der Verwirklichung des Theaterstücks die gelungene und bereichernde Kommunikation war, die hoffentlich noch über einen langen Zeitraum weitergeführt wird. Erste Treffen nach dem offiziellen Ende des Projektes sind geplant, und die Verbindungen nach Ermont sind ohnehin fest. Zeitgleich zu der Exkursion in den Osten der Türkei waren Lampertheimer Schülerinnen und Schüler in Ermont, der Gegenbesuch der Franzosen steht unmittelbar bevor.

Das Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt des obigen Textes trägt allein der Verfasser. Die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.

Erinnerungen für das Leben – Schülerinnen zum Comeniusprojekt Türkei

 

von Carolin Trautmann und Lena Siegler, 9b

 

Am 2. Mai um Punkt 4.30 Uhr trafen sich fünf Schüler der Klasse 9a und zwei Lehrkräfte am Frankfurter Flughafen. Es sollte in die Türkei gehen, nach Istanbul. Dort hatten die Schüler dann eineinhalb Tage Zeit, um die berühmte Stadt am Bosporus  näher kennen zu lernen. Am Dienstag ging es für die Gruppe dann weiter nach Kars. Es hatte einen bestimmten Grund, dass die Schüler in die Türkei geflogen sind, denn sie nahmen am Comenius- Projekt teil. Dies beinhaltet, dass sich Schüler verschiedener Nationen treffen und zusammen ein Theaterstück auf Englisch aufführen. Außerdem fördert dieses von der EU eingerichtete Projekt das lebenslange Lernen und den interkulturellen Austausch. Weitere Ziele waren, dass sich die Schüler näher kennen lernen, z.B. bei gemeinsamen Abendessen und Unterrichtsbesuchen.

 

Anschließend ging es weiter nach Dogubayazit, wo sich die Schüler trafen.

Sie führten das Theaterstück in dem historischen Ishak-Pasha-Palast an dem Berg Ararat auf. Die Schüler haben sich darauf zwei Jahre lang vorbereitet, indem sie einen Auszug aus dem Nibelungenlied nahmen und diesen zu einem Theaterstück umwandelten. Dies war ein großer Erfolg.

Alle hoffen, dass Comenius weiter solche Projekte anbietet, denn dies ist eine ganz außergewöhnliche Erfahrung für die Teilnehmer. So lernt man besser mit Menschen umzugehen, die eine andere Sprache sprechen und eine andere Kultur haben. So gewinnt man tolle Erinnerungen, die man sein ganzes Leben lang behält.