Astronomie

Astronomie war eigentlich schon immer ein Thema am Lessing-Gymnasium.
Ein inzwischen pensionierter Kollege berichtete vor Jahren, dass es einmal Physik-Lehrpläne für die Oberstufe gab, die astronomische Themen zum Inhalte hatten und mit welcher Begeisterung er dies unterrichtete. Im Rahmen vieler Lehrplanreformen wurde die Astronomie aus den hessischen Lehrplänen gestrichen. Neuerdings darf sie in der Jahrgangsstufe 6 als „Elementare Astronomie“ und in Q4 als Wahlthema „Astrophysik“ angeboten werden. 
„Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir? Diese existenziellen Fragen sind das Motiv, die den Menschen seit Jahrtausenden veranlassten, durch Beobachtung der Gestirne zu versuchen, seinen Platz im Universum zu bestimmen. Astronomie ist somit stets auch Astronomiegeschichte und damit auch Kulturgeschichte.“ *
Der gewaltige technologische Fortschritt in den letzten Jahrzehnten hat mit dem Bau immer leistungsfähigerer Teleskope, sei es z. B. das 
Very Large Telescope (VTL) in Chile oder die Weltraumteleskope Hubbel, Herschel, Planck usw., nicht nur der Astronomie nie da gewesene Blicke in die Tiefen Weltalls ermöglicht.
Dieser Fortschritt hat in Verbindung mit der Entwicklung der Computertechnik aber auch dazu geführt, dass in der Schule jetzt Astronomie auf einem Niveau betrieben werden kann, die dem Schüler das Mitmachen an wissenschaftlichen Projekten erlaubt, ja sogar zum Mitmachen ermuntert.
So stehen der Amateurastronomie heute Teleskope in einem sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis zur Verfügung. Kompakte CCD-Kameras ermöglichen dem Schüler, selbst Aufnahmen von Himmelsobjekten anzufertigen und diese am Computer auszuwerten oder zu bearbeiten.
Natürlich gehört das ganze Drumherum, gemeint sind das Teleskop selbst als wissenschaftliches Instrument, das Schutzgehäuse, sprich die Kuppel, die elektronische Steuerung, die verschiedenen Computerprogramme, eigentlich alles, was eine Sternwarte heute ausmacht, mit dazu, was dem Schüler en passant an Kenntnissen und Fertigkeiten mit vermittelt wird.
Mit einer Schulsternwarte werden somit nicht nur astronomische (physikalische) Inhalte, sondern auch wichtiges Konzeptwissen und damit langlebiges Wissen über fundamentale Konzepte und Ideen der Steuerungstechnik und Informationsverarbeitung transportiert.
Dies alles zusammen hat dazu geführt, dass die Astronomie am LGL einen neuen Aufschwung genommen hat und seit acht Jahren Zug um Zug mehr in den Vordergrund gerückt ist.
So waren i
m September 2003 aus Anlass der Mars-Opposition (die größte Annäherung des Planeten Mars an die Erde, d.h. die geringste Distanz seit etwa 60.000 Jahren, die nächste ist erst wieder im Jahr 2287!) der Physikkurs und drei Kollegen/innen auf der Starkenburg-Sternwarte. Bei dem Vortrag dort zeigte man uns damals schon die ersten 3D-Bilder vom Mars und wir konnten durch ein Teleskop den Mars mit seinen Polkappen direkt beobachten (Foto 1 und 2).

Im Juni 2004 stand fast die gesamte Schule Schlange, um an einem sog. Solarscope den Venustransit (eine Jahrhundert-Ereignis, weil alle 122Jahre) zu beobachten (Foto 3).

Ausgelöst durch ein E-Mail, kam es dann im November zu der wichtigen Kooperation mit der Starkenburg-Sternwarte in Heppenheim und in Folge dessen zu der Anschaffung eines Schulteleskop, eines Maksutvo MK 150/1800 mit einer Celestron Advanced Goto-Montierung, finanziert vom Förderverein des Lessing-Gymnasiums (Foto 4). Die ersten Aufnahmen übertrafen alle Erwartungen (Foto 5 und 6).
Auf der Medien-Bildungsmesse 2007 in der Universität Gießen wurde erstmalig die Computersteuerung des LGL-Schulteleskops mit Hilfe des Astronomieprogramms EasySky ® vorgeführt.
Schnell zeigt sich aber, dass das ständige Heraustragen, Aufbauen, Ausrichten und anschließend wieder das Abbauen des Teleskops mehr Zeit in Anspruch nahm als die reine Beobachtung. Der Wunsch nach einem Schutzgehäuse für das Teleskop war geboren und so standen im Oktober 2007 am späten Abend der Vorstand der Starkenburg-Sternwarte, der Schulleiter und der für die Astronomie am LGL verantwortliche Kollege, Herr Metzendorf, auf dem Flachdach des Altbaus und blickten prüfend nach allen Seiten in den Nachthimmel, um die Frage zu beantworten, ob das Lessing-Gymnasium als Standort für eine Schulsternwarte geeignet sei. Mit einer nun folgenden fünfjährigen Odyssee bis zum Richtfest der LGL-Schulsternwarte im Oktober 2011 (Foto 7) ließe sich ein ganzes Buch füllen.

Zwischenzeitlich schrieb man das Jahr 2009, das Internationale Jahr der Astronomie (Foto 8), und im Rahmen der MINT-Nacht war die Hessische Kultusministerin Dorothea Henzler am Lessing-Gymnasium zu Gast. Die Übergabe der Asteroiden-Urkunde Dorothea (Foto 9) und der Blick durch das Schulteleskop auf den Orion-Nebel (Foto 10) gaben dem Projekt Schulsternwarte am LGL neue Impulse. Ein paar Tage später lag der Schule eine E-Mail der ESOC (European Space Operations Centre) aus Darmstadt vor. Die ESOC hatte die Schüler der Astronomie-AG zum einem Besuch des Kontrollzentrums der beiden Weltraumteleskope Herschel und Planck eingeladen (Foto 11).

Im Rahmen einer astronomischen Fachtagung auf der Starkenburg-Sternwarte wurde im Juni 2008 der Schule das einmalige Angebot gemacht, sich als eine von drei deutschen Pilotschulen an dem Faulkes Telescope Project beteiligen zu dürfen. Herr Metzendorf absolvierte ein Training in der Teleskop-Steuerung und seitdem können die Schüler des Lessing-Gymnasiums die beiden weltweit größten über das Internet steuerbaren Teleskope, die Faulkes Telescope auf dem Mt. Haleakala, Maui in Hawaii (Foto 12) und in Siding-Spring in Australien, via Internet bedienen und Aufnahmen von fernen Galaxien machen (Foto 13).

Zwei Jahre später, im Juni 2010, ergab sich für die Schüler der Astronomie-AG die Möglichkeit bei Pan-STARRS (Panoramic Survey Telescope And Rapid Response System) mitzuwirken. Dies ist ein internationales Forschungsprojekt zur Asteroidensuche, u. a. unter der Beteilung des Hauses der Astronomie/Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg (Foto 14). Somit können sich die Schüler zweimal im Jahr für sechs Wochen auf Asteroidenjagd begeben (Foto 15).

Aller guten Dinge sind drei, besagt ein altes Sprichwort. Im Falle des Lessing-Gymnasiums sind es aber schon fünf. Im September 2011 traf ein weiteres Kooperationsangebot mit wiederum herausragendem internationalen Renommee ein. Das Deutsche SOFIA Institut(Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie, Foto 17) an der Universität Stuttgart bat dem Lessing-Gymnasium die Schulpartnerschaft an. Am 11.11.2011 durften erstmalig 10 Schüler des Lessing-Gymnasiums an einem Workshop zur Infrarotastronomie teilnehmen.

Zurück zur LGL-Schulsternwarte. Wie bei jedem Hausbau kommt nach dem Richtfest der Innenausbau. Dies ist die Arbeit der nächsten Monate. Eine spezielle Standsäule für das Teleskop wurde bereits in der Kuppel aufgestellt. Anschließend wurde das Teleskop montiert, justiert und die Computersteuerung per EasySky und eine CCD-Kamera angeschlossen. Als Fernziel ist dann die komplette Steuerung der LGL-Schulsternwarte per Internet anvisiert.

Abschließend sei hier allen, die die Astronomie am Lessing-Gymnasium mit Rat und Tat, insbesondere mit zum Teil sehr großzügigen Spenden unterstützt haben, herzlichst gedankt.

* Zitat sinngemäß entnommen: Warum die Astronomie in drei Bundesländern seit 1959 Pflichtfach ist und warum sie es bundesweit werden sollte. Offener Brief an Bund und Länder vom 2. November 2009