„Schüler im Chefsessel 2012“ – Ein Projekt der Jungen Unternehmer – BJU

„Schüler im Chefsessel – Unternehmer für einen Tag“, dieser Wettbewerbsname wirkt auf den ersten Blick sehr vielversprechend und spannend. Als Schüler die Ehre haben zu dürfen, Chef für einen Tag zu sein, das ist doch mal was! Doch neben dieser Euphorie beinhaltet der Wettbewerbsname ebenso viele offene Fragen wie Klischees. Muss der Chef eines Unternehmens denn überhaupt noch arbeiten, er hat doch seine Mitarbeiter, die für ihn die Kastanien aus dem Feuer holen? Was genau ist denn die Arbeit eines Unternehmers überhaupt? Und was heißt es, die Verantwortung für ein ganzes Unternehmen zu tragen?  Damit solche und ähnliche offene Fragen und die damit verbundenen Klischees geklärt werden können,  veranstaltet der Bund Junger Unternehmer jährlich den Schülerwettbewerb „Schüler im Chefsessel“. So viel kann ich dem nun folgenden Bericht schon einmal vorwegnehmen: All die beschriebenen Klischees erwiesen sich als falsch und somit erlebte ich durch dieses Wettbewerbsangebot der Jungen Unternehmer sehr spannende, informative und unvergessliche Tage…

Aber nun erst einmal der Reihe nach: Durch meine Politik- und Wirtschaftslehrerin Kirsten Illius erhielt ich grundlegende Information über diesen Wettbewerb. Daraufhin informierte ich mich im Internet über die Wettbewerbsbedingungen und das Ziel des Wettbewerbs. Der Wettbewerb soll Schülerinnen und Schülern der gymnasialen Oberstufe Einblicke in den Alltag eines privaten Unternehmers eines kleineren Familienunternehmens geben. Dazu teilt der Regionalverband der Jungen Unternehmer Rhein Main jedem Wettbewerbsteilnehmer ein Familienunternehmen in der Nähe des jeweiligen Wohnortes zu. Die teilnehmenden Schüler haben dann am Aktionstag die Möglichkeit, die Geschäftsführerin bzw. den Geschäftsführer des jeweiligen Familienunternehmens einen Tag lang zu begleiten. Der eigentliche Wettbewerb besteht dann darin, einen dreiseitigen Aufsatz über die Eindrücke und Erfahrungen, welche man durch den „Tag im Chefsessel“ gewonnen hat, zu verfassen. Um allerdings am Wettbewerb teilnehmen zu dürfen, muss man zunächst einen Anmeldebogen ausfüllen, der besonders nach privaten Interessen fragt. Insgesamt wurden in diesem Jahr ca. 60 Teilnehmer im Rhein-Main-Gebiet ausgewählt. Ich war mit ein wenig Glück einer der ausgewählten Teilnehmer.

Mir wurde das Unternehmen „Bertz GmbH & Co. KG“ aus Heppenheim zugeteilt. Das Unternehmen, welches insgesamt 20 Mitarbeiter beschäftigt, bietet sowohl Dienstleistungen als auch Produkte im Bereich der Objekt- bzw. Saloneinrichtungen an. Von der Planung und Montage von Verkaufsräumen bzw. Lagern für Fachgeschäfte wie zum Beispiel OBI, über die Gestaltung von Restaurants, Hotels und Büroräumen, bis hin zur Raumeinrichtung für Privatkunden reicht der Tätigkeitsbereich der Firma Bertz. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Inneneinrichtung von Friseur- und Kosmetiksalons. Nach direkter Rücksprache mit der Geschäftsführerin des Unternehmens vereinbarte ich einen Termin, an dem ich die Geschäftsführerin einen Tag lang bei ihrem „Geschäftsführerinnenalltag“ begleiten durfte. Der Aktionstag fand dann Ende Februar dieses Jahres statt.

Am eigentlichen Aktionstag bekam ich dann sehr wertvolle und vielschichtige Einblicke in die Struktur und Arbeitsweise des Familienunternehmens. Besonders auffällig war dabei das entspannte Arbeitsklima innerhalb des Unternehmens. Allerdings wurde auch schnell klar, mit welcher Verantwortung der Job eines Geschäftsführers verbunden ist. Ich hatte das besondere Glück, dass an meinem Aktionstag ein sechsstündiges Verhandlungs- bzw. Strategiegespräch zwischen der Bertz GmbH und dem Hauptzulieferer für Friseurartikel anstand. Es ging also in diesem Gespräch um die Zukunftspläne des Unternehmens. Das Gespräch gab mir perfekte Einblicke in die Bereiche Verhandlungsführung, Marketing und wirtschaftliche Planung.

Am Abend verließ ich dann bepackt mit zahlreichen neuen, wertvollen Informationen und Erfahrungen ein wenig müde, aber glücklich über den Tagesablauf das Unternehmen.

Nun ging es an das Schreiben des Aufsatzes, für das ich 2 Wochen Zeit hatte. Der Aufsatz konnte relativ frei gestaltet werden, sollte aber einen Bericht über den Tagesablauf und die neu gewonnenen  Erfahrungen enthalten.

Anfang Mai bekam ich dann eine Einladung zur Preisverleihung des Regionalpreises des Rhein-Main-Gebietes. Die Preisverleihung fand in Bad Nauheim mit den Teilnehmern aus ganz Hessen statt und stand unter der Schirmherrschaft von Ursula Bouffier, der Frau des hessischen Ministerpräsidenten. Ausgezeichnet wurden bei dieser festlichen Abendveranstaltung die besten drei Aufsätze aus den Regionalkreisen Nord- bzw. Mittelhessen und dem Rhein-Main-Gebiet. Der Abend bot allerdings auch genügend Raum, um den ein oder anderen Kontakt zu den Familienunternehmern zu knüpfen. Für mich vollkommen überraschend wurde mein Aufsatz unter den 60 abgegebenen Aufsätzen im Rhein-Main-Gebiet mit dem ersten Platz ausgezeichnet. Der Gewinn war eine dreitägige Reise nach Berlin im Juni dieses Jahres, zu der auch alle anderen Gewinner aus den anderen Regionalkreisen aus ganz Deutschland eingeladen wurden.

Das Programm dieser Reise war sehr vielfältig und ausgewogen:  Unter anderem standen eine historische Stadtführung durch Berlin, die Besichtigung des ZDF-Hauptstadtstudios, ein Besuch des Deutschen Bundestags mit anschließendem Gespräch mit einem Bundestagsabgeordneten, klettern im Kletterpark und der Besuch des Musicals „Tanz der Vampire“ auf dem Programm. Was meiner Meinung nach aber das Wertvollste an dieser Reise war, waren die zahlreichen Bekanntschaften und Freundschaften, die man innerhalb der Reisegruppe aus ca. 30 Gleichgesinnten knüpfen konnte. Die Gruppendynamik war einfach fantastisch, sodass ich sogar noch heute zu vielen Mitreisenden Kontakt habe. Die Reise nach Berlin wurde somit zu einem sehr lustigen und unvergesslichen Ereignis.

Insgesamt  hat die Aktion „Schüler im Chefsessel“ meinen Vorstellungshorizont sehr erweitert. Der Wettbewerb ist eine perfekte Ergänzung zum Schulunterricht, allerdings auch zum Betriebspraktikum der 9. Jahrgangsstufe. Vor der Wettbewerbsteilnahme hatte ich so gut wie keine Vorstellung davon, was genau die Vorzüge eines mittelständigen bzw. familiären Unternehmens gegenüber einem Großunternehmen sind. Durch den Wettbewerb habe ich nun eine viel bessere Vorstellung davon bekommen, was ein mittelständiges bzw. familiäres Unternehmen ist und wie es arbeitet. Somit fällt mein Gesamtfazit ausschließlich positiv aus, sodass ich jedem meiner Mitschüler einen solchen „Chef-Tag“ in einem Unternehmen nur wärmstens empfehlen kann. All denen, die nun mit dem Gedanken spielen, im nächsten Jahr am Wettbewerb „Schüler im Chefsessel“ teilzunehmen, wünsche ich natürlich viel Glück und zahlreiche neue Erfahrungen.

Von: Pascal Schulz