Erdkunde

„Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien!?“

Nicht nur, damit Andreas Möllers mittlerweile legendär gewordener Fauxpas noch als solcher zu erkennen ist, ist das Fach Erdkunde von Bedeutung. Denn der Geographieunterricht vermittelt den Schülerinnen und Schülern weit mehr als nur topografisches Wissen. Das Fach ermöglicht Einblicke in die komplexen Wirkungsgefüge zwischen Mensch und Raum und macht die Schüler für nachhaltiges Wirtschaften und einen angemessen Umgang mit unserem Planeten sensibel.

Dabei ist das allseits geforderte fächerübergreifende Arbeiten in Erdkunde keine gut gemeinte Zusatzaufgabe, sondern unabdingbare Voraussetzung. Ohne physikalische Grundkenntnisse sind klimatische Phänomene ebenso wenig zu erklären, wie die Umstrukturierung des Ruhrgebiets ohne Wissen über wirtschaftliche und politische Entscheidungsprozesse.

Auch die Aktualität des Fachs zeigt sich immer wieder. Ob Überflutungen in Pakistan, globaler Klimawandel, Wassermangel am Aralsee, Gletscherschwund in den Alpen oder Erdbebenkatastrophe in Japan. Der Erdkundeunterricht vermittelt das Wissen über Zustandekommen und Auswirkungen solcher Ereignisse. Unser Fach verleiht ein Verständnis für Vorgänge im Heimatraum, erklärt aber genauso die Lebensweise in fremden Ländern. Ziel ist die Vermittlung einer Raumverhaltenskompetenz. Die Notwendigkeit einer Bildung, die junge Menschen zum nachhaltigen Umgang mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen erzieht, ist unumstritten.

Umso unverständlicher erscheint es, wenn das Fach im hessischen Bildungskonzept eine eher untergeordnete Rolle spielt, da Erdkunde in Hessen in der gesamten Sekundarstufe I mit der geringsten Pflichtstundenzahl aller Fächer vertreten ist und in der Oberstufe nicht verpflichtend erteilt wird. Unsere Schule hat sich jedoch zum Ziel gesetzt, der Bedeutung des Faches entsprechend Erdkunde zu unterrichten. Daher bietet das LGL auch in der Oberstufe das Fach Erdkunde als Grundkurs an und besitzt einen eigenen Erdkundelehrsaal, was beides sicher an hessischen Gymnasien nicht die Regel ist.

Ein Highlight jedes Jahres stellt die einwöchige Nordseeprojektfahrt der fünften Klassen mit erdkundlichem Schwerpunkt dar, bei der der Nordseeraum mit allen Sinnen erfahren und ganzheitlich verstanden werden kann. Eine Woche lang lernen die Schülerinnen und Schüler an der nordfriesischen Nordseeküste vieles über Wattwurm, Deichbau, Landgewinnung und natürlich den „Blanken Hans“. Eine Wattwanderung und der Besuch einer Hallig stehen ebenso auf dem Programm wie das Erforschen der verschiedenen Meeresbewohner im Labor des interaktiven Museums „Multimar“ in Tönning oder ein Besuch des touristisch geprägten Ortes St. Peter-Ording. Abschluss des Projekts bildet die Präsentation der Ergebnisse am Schulfest, der Projektwoche oder bei einem von den Kindern gestaltetem Präsentationsabend. Bei allen lehrreichen Aktivitäten kommt natürlich auch der Spaß nicht zu kurz und die positiven Erfahrungen und Rückmeldungen von Schüler- und Elternseite ermuntern uns immer wieder aufs Neue, dieses organisatorisch aufwendige Projekt durchzuführen. [Mehr über das Nordseeprojekt erfahren Sie hier…]

Auch wenn wir nur eine kleine Fachschaft sind, bereitet es uns große Freude, das Fach Erdkunde zu unterrichten, da unsere Erde einen unerschöpflichen Fundus an Beeindruckendem und Wissenswertem liefert. Dass große Teile der Schülerschaft ebenso empfinden, erkennen wir am Interesse und den Reaktionen der Schülerinnen und Schüler, die vermehrt das Fach Erdkunde auch als Abiturfach wählen.

Und so könnte man dem Zitat von Andreas Möller eines von Kurt Tucholsky entgegenstellen:
„Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt – sieh sie dir an.“

Jörg Werner,
Fachsprecher der Fachschaft Erdkunde am Lessing-Gymnasium